Oktober 03, 2018

Arabisch, orientalisch, der Tradition verpflichtet: Schon seit Jahrhunderten zählen Wasserpfeifen oder Shishapfeifen zum Kulturgut der arabischen Welt. Stammen sie von ihrem Ursprung her eigentlich aus Indien, zählen sie heute zum Alltag in nahezu allen Ländern des Orients und blicken auf eine lange Geschichte zurück. Vorläufer soll es schon um etwa 300 v. Christus gegeben haben. Der Ursprung der Pfeifen liegt somit schon in der Frühgeschichte.

Eine lange Tradition

Die ersten Pfeifen wurden aus Kokosnüssen und geschnitztem Bambus hergestellt. Im frühen 16. Jahrhundert gelangten Shishas in das Osmanische Reich und entwickelten sich zum festen Bestandteil aller Kaffeehäuser. Es entstand allmählich im heutigen Tunesien, Marokko, Ägypten und der Türkei eine Kultur, die mit dem gemeinsamen Rauchen unzertrennlich war. Hier saßen Männer gesellig zusammen, redeten, diskutierten, tranken starken Kaffee und rauchten natürlich Shishapfeifen. Daneben gab es Entspannung pur. Damals wurde ein trockener und starker Tabak verwendet, der jedoch Husten und Kratzen im Hals mit sich führte.

Einer Legende nach soll Sultan Mehmed III. etwas später die Idee gehabt haben, Tabak mit Honig und Wasser zu vermischen, damit der Tabak verträglicher wird. Da dieses Gemisch nicht mehr brennen konnte, soll er Kohle draufgelegt haben. Es folgten weitere Varianten mit verschiedenen Aromen, Gewürzen und getrockneten Früchten, die den Grundstein für die heutigen Shishas bildeten.

Allmählich gelangte Shisha in alle arabischen Länder und hielt auch Einzug in der Türkei. Dort erhielt sie ihr heute noch bestehendes Aussehen. Natürlich bestehen noch heute Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern. Die Funktionsweise der Pfeifen, die sich bis heute bewährt hat, ist jedoch dieselbe.

Galt sie schon fast als ausgestorben, erhielt Shisha im Zwanzigsten Jahrhundert eine Renaissance. Sie freut sich sowohl beim jüngeren als auch älteren Publikum einer zunehmenden Beliebtheit und verbreitete sich in ganz Europa. Zwischenzeitlich gibt es zahllose Shisha-Bars, die das Gemeinschaftsgefühl pflegen und Pfeiferauchen attraktiv machen. So kommt es, dass Menschen in froher Runde bei einer Wasserpfeife zusammensitzen, intensive Gespräche führen und sich einfach mal Zeit zum Hören und Verstehen nehmen. Es gilt, Freunde, Verwandte und Bekannte zu treffen und einfach eine entspannte Zeit miteinander zu verbringen.

Aufbau von Wasserpfeifen

Eine Wasserpfeife setzt sich aus drei verschiedenen Teilen zusammen. Unten befindet sich der "Bowl", welcher aus Messing gefertigt ist. Darüber liegt der Aufsatz, der als "Lüle" bezeichnet wird und von Pfeifen und dem Tabakkopf ("Baq") gekrönt wird. Durch den Schlauch wird der Rauch inhaliert. Eine Pfeife lässt sich dazu noch ganz einfach bedienen. Der "Baq" wird mit einem Stück Holzkohle erhitzt. Der sich hier entwickelnde Rauch sammelt sich anschließend in dem Behälter, der mit Wasser gefüllt ist.

Wasserpfeifentabak gibt es in zahlreichen fruchtigen Sorten, die für Entspannung und Gemütlichkeit sorgen. Während es zu früheren Zeiten noch ein Problem war, Tabak zu erhalten, gibt es heute zahlreiche fruchtige aber auch exotische Tabaksorten. Zu den Geschmacksrichtungen zählen Aromen, wie Kirsche, Apfel oder Erdbeere. Auch beim Tabak gibt es Unterschiede, wie zum Beispiel Feinschnitt-Tabak, nikotinhaltigen oder nikotinfreien Tabak und sogar den Tabak, der eigentlich keiner ist, sondern aus Zuckerrohr besteht.

Die Funktionsweise von Shishas ist einfach, weil nur Tabak mit Kohle erhitzt und zum Verdampfen gebracht wird. Der Dampf wird mit Wasser abgekühlt und durch Saugen am Schlauch inhaliert.

Zu Hause Shisha rauchen

Rauchen findet normalerweise in Gemeinschaft mit Gleichgesinnten statt. Nur selten begibt sich jemand alleine in eine einsame Ecke, um eine Shishapfeife zu probieren. Allerdings muss nicht unbedingt eine Bar oder Lounge aufgesucht werden. Auch zu Hause kann man eine Wasserpfeife für sich und Gäste bereitstellen oder jeder Gast bringt eine eigene Pfeife mit. Eine gelungene Session besitzt keine strengen Regeln, sondern besteht aus Zwanglosigkeit und angenehmen Gästen.

Hektik ist beim Pfeiferauchen nicht angesagt. Lautes Reden und schnelle Bewegungen sorgen nur für Unruhe in einer harmonischen Runde. Natürlich kann auch jeder seine eigene Pfeife mitbringen und nutzen. Auch sollten bei einer geselligen Shisharunde Zigaretten, Speisen oder gar Alkohol vermieden werden. Der Schlauch sollte möglichst nicht an den Nachbarn weitergeleitet, sondern besser an die Pfeife gehängt werden. So hat jeder Teilnehmer einen gleichberechtigten Zugang und niemand wird zu etwas gedrängt.

Zeitdruck sollte vermieden werden, denn schließlich dient das Rauchen dem Abschalten und Entspannen. Obwohl sich im Laufe der Zeit Zigaretten immer stärken durchsetzen, blieben Wasserpfeifen fester Bestandteil der Kultur. Sie verkörpern auch heute noch den Hauch von Orient und stehen einfach für die Eigenschaften arabisch und orientalisch. Selbstverständlich sind sie auch aus zahlreichen Souvenirläden nicht mehr wegzudenken. Zeit und Muße gehören jedoch dazu. Genauso sind es die Momente, in denen man einfach abschalten, die Seele baumeln lassen und sich Zeit nehmen kann. Das Erlebnis kann noch durch orientalische Musik und das typische Blubbergeräusch untermalt werden. So entsteht ein perfektes Shishafeeling.

Mythen

Nach und nach entstanden rund um die Geschichte des Shisharauchens viele Gerüchte. Die einen behaupten, das Rauchen von Zigaretten sei gefährlicher, weil das Wasser die Giftstoffe herausfiltert. Andere behaupten, dass genau das Gegenteil der Fall sein soll. Die Qualität einer Pfeife ist jedoch wichtig. Besonders die Dichte und Qualität des Schlauches sollte im Vordergrund stehen. Mundstücke, die früher etwas über das Ansehen ihrer Nutzer aussagten, sind mittlerweile hygienisch und werden heute aus Kunststoff hergestellt.