Oktober 03, 2018

Reisende aus arabischen Ländern berichten seit Jahrhundeten von der Tradition, gemeinsam beim Genuss einer Wasserpfeife beieinander zu sitzen. Inzwischen hat der Trend Europa erreicht. In allen deutschen Großstädten florieren Shisha-Bars und Shisha-Restaurants. Vor allem junge Menschen sehen darin eine Alternative zum Rauchgenuss einer Zigarette oder anderer trockener Tabakvariationen. Doch es gibt Risiken, über die bundesweit noch immer unvollständig aufgeklärt wird.

 

So wird die Shisha geraucht

Geselligkeit ist neben dem Wunsch nach einer Rauchalternative der Grund, warum sich immer mehr – vor allem junge – Menschen zum Dampfen aus Wasserpfeifen treffen. Das Gerät besteht aus einem mit Wasser gefüllten Glasbehälter. Dieser ist mit einer Rauchsäule ausgestattet. Spezieller Shishatabak wird in den Tabakkopf gefüllt. Die Dampfer atmen diesen Tabak über ein Mundstück ein. Der Geschmack des Dampfs aus einer Wasserpfeife ist häufig süßlich, fruchtig oder anders aromatisch. Auch liegt die Temperatur des Dampfs weit unter der des verbrannten Tabaks aus einer Zigarre. Das empfinden die Wasserpfeifen-Raucher als angenehm. Befürworter des Shisharauchens argumentieren, dass Raucher herkömmlicher Tabakprodukte über 4.000 Inhaltsstoffe pro Zug aufnehmen würden. Nachgewiesen ist, dass eine Reihe davon zu erheblichen Schäden an der Gesundheit führen kann. Vor allem die Tabakaufnahme über die Lunge führt zu schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen. Was bisher heruntergespielt wurde: Tabak in Wasserpfeifen gelangt als Mischung mit Wassermolekülen, Aromen und anderen Inhalten in die Lunge.  

Vergleich der Inhaltsstoffe in Wasserpfeifen mit denen in einer Zigarre, Pfeife oder Zigarette

Je nach Zusammensetzung des Tabak-Gemischs sind Teer, Blei, Nikotin oder Nickel enthalten. Auch können illegale Kräuter und andere Dinge dem Dampf zugesetzt sein. Im Körper passiert mit den Inhaltsstoffen eine Veränderung: Sie werden verstoffwechselt. Dabei entstehen neue Substanzen. Nikotin beispielsweise wird zu Cotinin verstoffwechselt. Mediziner nutzen entsprechende Speichel- und Urinproben, um die aufgenommene Tabakmenge zu bestimmen. Diese verändert sich auch durch Passivrauchen, also durch den Dampf, den Gäste durch das Shisharauchen anderer Gäste passiv einatmen. Wer zweimal wöchentlich zu Shishas greift, hat umgerechnet täglich zwei Zigaretten oder eine gut gestopfte Pfeife geraucht. Tägliches Wasserpfeiferauchen entspricht sogar dem Konsum von zehn täglichen Zigaretten. Die Dampfer empfinden das aber nicht so, weil weder ein Kratzen im Hals noch ein bitterer Geschmack auf der Zunge entstehen. Die Umwandlung anderer in Wasserpfeifen enthaltener Substanzen im Körper ist noch nicht in Langzeitstudien geklärt. Doch dass es gesundheitlich ebenso nachteilig wie herkömmliches Rauchverhalten ist, das steht in Laborversuchen an Mäusen und in Spontanstudien an menschlichen Probanden bereits fest.

Weitere Risiken beim Shisha-Rauchen

Shisharauchen schadet der Gesundheit ebenso wie das Rauchen der gewohnten Zigarette. Doch es gibt weitere schädliche Aspekte, vor allem beim gemeinsamen Dampfen. Zum Beispiel ist das sehr tiefe Einatmen des Dampfes in die Lunge schädlich. Doch schmeckt der Dampf so viel besser als trockener Zigarettenqualm. Auch wird er wegen der kühleren Dampftemperatur intensiv aufgenommen. Diese Art des Inhalierens kann eine ohnehin bestehende Suchtgefahr zum Einstieg in die dauerhafte Abhängigkeit vom Dampfen oder Nikotin machen. Besonders labile Jugendliche sind davon gefährdet. Außer den Folgen des tiefen Einatmens ist oft der Tabak selbst gesundheitlich bedenklich. Auch die Folgen im Körper durch die Aufnahme bestimmter Aromen sind noch zu wenig erforscht, um ernsthafte Schäden auf lange Sicht ausschließen zu können. Ein eher wenig beachtetes Risiko beim Shisharauchen ist hygienischer Natur. Es ist generell schädlich, wenn mehrere Personen ein Mundstück benutzen – dies gilt für Musikinstrumente oder Atemkontroll-Mundstücke ebenso wie für die Mundstücke von Wasserpfeifen. Vor allem Herpesviren oder die Erreger von Hepatitis verbreiten sich auf diesem Weg sehr rasch.

Fazit:

Dass Shisharauchen nicht so schädlich für die Gesundheit ist wie der Tabakgenuss von Zigaretten, konnte inzwischen widerlegt werden. Die Menge an aufgenommenem Tabak, das Benutzen gemeinsamer Mundstücke und zugesetzte Aromastoffe verstärken ein mögliches Risiko. Zudem erhöht die Art und Weise des Shishagenusses mit tiefem Einatmen und angenehmem Dampfgeschmack den Einstieg in eine mögliche Dampf- oder Nikotinsucht.